Montag, 2. Juni 2014

Gekaufte WM

Die in zehn Tagen beginnende Weltmeisterschaft ist für die FIFA für den Moment wohl nicht die wichtigste Baustelle. Die notwendigsten Projekte in Brasilien werden wohl - mehr oder weniger - kurz vor Schluss noch abgeschlossen werden und für denn Fall, dass doch noch etwas schief läuft hat man sich für 900 Mio. USD gegen den Ausfall oder einen verspäteten Beginn des Turniers versichert.


Das Thema WM 2022 in Katar hingegen kommt nicht zur Ruhe: dass bei der Vergabe an das Scheichtum mit langer Fußballkultur mit viel Geld nachgeholfen wurde, ist ja ein offenes Geheimnis. Gestern hat die Sunday Times in einem Artikel (eine Paywallauf deren Webseite verhindert leider, dass an dieser Stelle die Originalquelle steht) die Methode beschrieben. Laut geleakter Emails soll Mohamed Bin Hammam (Sportfunktionär aus Katar, bis 2012 im FIFA-Exekutiv-Komitees und bis 2011 Präsident des Asiatischen Fußballverbandes) Beträge von bis zu 200.000 USD an 30 verschiedene Präsidenten afrikanischer Fußball-Nationalverbände gezahlt haben, mit dem Ziel, dass diese die vier afrikanischen Mitglieder des Exekutivkomitees zur Wahl Katars bewegen. Angesichts des relativ deutlichen Abstimmungsergebnisses bei der Vergabe von 14:8 Stimmen für Katar gegenüber dem Konkurrenten USA scheint der Plan aufgegangen zu sein.
Die Enthüllungen sind begleitet vom allgegenwärtigen Ruf nach einer Neuvergabe des Turniers. Und nach der Vorstellung von Theo Zwanziger soll die Angelegenheit von der Ethikkommission der FIFA geregelt werden. Also von Leute, die von den Leuten bezahlt werden, die andere Leute dafür bezahlen nach ihren Vorstellungen abzustimmen. Überragende Idee!

Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe ist: die FIFA ist seit Jahrzehnten ein durch und durchkorrupter Laden, in dem keine wichtige Entscheidung gefällt wird, ohne dass nicht jemand einen persönlichen Vorteil daraus zieht. Und obwohl diese Vorgänge um die WM-Vergabe an Katar nicht wirklich überraschend sind, wird auf einmal Anstoß daran genommen. Aber während diese völlig gewöhnlichen Korruptionsvorgänge ablaufen, sind in Katar zehntausende "Gastarbeiter" aus Indien, Bangladesch und Nepal de facto versklavt: zu Dutzenden zusammengepfercht leben sie in miserablen Unterkünften, für die sie den Großteil ihres ohnehin schon geringen Lohns wieder abgeben müssen und um sicherzustellen, dass sie nicht einfach gehen, zieht man ihre Pässe ein. Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen in der Wüste gelten als katastrophal - mindestens 44 Arbeiter sind bereits ums Leben gekommen.

Dafür muss man denen die WM entziehen. Nicht wegen ein bisschen Schmiergeld.


P.S.: Das sich jetzt auch FIFA-Offizielle wie der Vize des Exekutivkomitees Jim Boyce für eine Neuvergabe aussprechen ist ja schon interessant. Spekulieren die etwa auf einen zweiten Geldregen?


Kommentare:

  1. Huhu.
    Hab mir mal willkürlich diesen Beitrag zum kommentieren ausgesucht. :)

    Was an Katar das Problem ist, ist doch wohl offensichtlich: Hallo? Arabische Halbinsel? Terroristen!?! Liegt doch wohl auf der Hand. Und dann auch noch gegen das Land of the Brave.. ^^
    Ne, ist nur Spaß. Der wahre Grund ist natürlich, das der zwanziger bis vor ein paar Wochen dachte Katar läge neben Französisch Guyana und da wollte er die Gelegenheit nutzen um über die ESA den Blatter zu entsorgen. Und jetzt soll er in die Wüste wos auch noch im Sommer heiß ist? Das muss sich doch mit Gels regeln lassen... ;)

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    1. Verdammt, die dicken Finger. Das soll natürlich "Geld" heißen am Ende. zwanziger kann ruhig klein bleiben. Gibt dem ganzen die angemessene Typographie. :P
      M

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